Besondere Leistungen verdienen einen besonderen Preis
International studieren, gemeinsam ankommen – Tobias erhält DAAD-Preis 2026
Als Tobias Aw die Nachricht des International Office erhielt, war die Überraschung groß: „Ich hatte wirklich nicht damit gerechnet.“
Vom US-Bundesstaat Kalifornien nach Magdeburg: Tobias Aw studiert Sustainable Resources, Engineering and Management (StREaM). Für seine hervorragenden Studienleistungen und sein Engagement für internationale Studierende erhält er den DAAD-Preis 2026.
Der gebürtige Kalifornier studiert seit April 2024 im englischsprachigen Bachelor-Studiengang Sustainable Resources, Engineering and Management (StREaM). Der Studiengang verbindet Ingenieurwesen mit nachhaltigem Ressourcenmanagement.
Nachhaltigkeit ist für Tobias mehr als ein Studieninhalt: „Wir alle leben hier. Die Erde ist unser Zuhause.“ Ihn beschäftigt die Frage, wie sich wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen nachhaltiger gestalten lassen.

Schnellfragerunde mit Tobias:
Auch Tobias steht dabei stellvertretend für viele internationale Studierende, die das Hochschulleben in Deutschland mitgestalten und gleichzeitig ihre Erfahrungen, Perspektiven und Ideen einbringen. Für ihn selbst bedeutet die Auszeichnung vor allem Anerkennung für etwas, das er ohnehin tun wollte: „Die Dinge, für die ich ausgezeichnet wurde, habe ich nicht gemacht, um einen Preis zu gewinnen. Das sind einfach Dinge, die ich in meinem Leben tue und für die ich mich entschieden habe.“
An der Hochschule Magdeburg-Stendal richtet sich der DAAD-Preis an internationale Studierende, die neben guten bis sehr guten Studienleistungen gesellschaftlich oder sozial engagiert sind. Bewerben können sich Bildungsausländer*innen ab dem zweiten bzw. dritten Studienjahr im Bachelor oder ab dem zweiten Semester im Master. Auch Promovierende und kürzlich Examinierte können berücksichtigt werden.
Die Bewerbung erfolgt über das International Office der Hochschule. Zu den erforderlichen Unterlagen gehören unter anderem eine aktuelle Immatrikulationsbescheinigung, eine Notenübersicht, ein Lebenslauf, ein Bewerbungsschreiben sowie Nachweise über das gesellschaftliche oder soziale Engagement. Zusätzlich ist eine Einschätzung der Leistungen durch eine Dozentin oder einen Dozenten der Hochschule erforderlich.
Der DAAD-Preis macht damit nicht nur besondere Leistungen sichtbar, sondern würdigt auch die Menschen dahinter – und zeigt, wie internationale Studierende die Hochschule Magdeburg-Stendal mit ihrem Engagement, ihren Erfahrungen und ihren Perspektiven bereichern.
Auch außerhalb der Hochschule engagiert sich Tobias für Austausch und Integration. Seit seiner Ankunft besucht er regelmäßig das Sprachcafé der Stadtbibliothek Magdeburg. Daraus entstand ein eigener Stammtisch, bei dem er gemeinsam mit anderen Deutsch übt.
Sein Rat an internationale Studierende: „Lernt Deutsch.“ Doch auch Offenheit sei wichtig. „Versucht, mutig zu sein. Geht raus und lernt neue Menschen kennen. Es ist schwierig, weil man nicht weiß, wie es ausgeht, aber man kann überrascht werden.“
Sein Studium erlebt Tobias als vielseitig und praxisnah. Besonders schätzt er die vergleichsweise kleinen Lerngruppen und den direkten Kontakt zu den Lehrenden. Da er ursprünglich aus einem sozialwissenschaftlichen und sprachlichen Hintergrund kommt, eröffnet ihm das Studium neue Perspektiven. „Ich habe viele verschiedene Dinge über Ingenieurwesen gelernt. Das verändert auch meinen Blick auf die Welt. Ich frage mich inzwischen oft, wie etwas das gemacht wurde.“
Auch die Internationalität seines Studiengangs gefällt ihm. Kommiliton:innen kommen unter anderem aus Indien, Sri Lanka, Bangladesch, Pakistan, Russland, den Philippinen, Mauritius, Großbritannien und Kolumbien. „Es gibt Menschen, die ich aufgrund der geografischen Entfernung sonst wahrscheinlich nie kennengelernt hätte“, sagt er.
Magdeburg und die Umgebung selbst hat Tobias inzwischen ebenfalls etwas kennengelernt, unter anderem auf zahlreichen Reisen mit der Bahn.
Seine Erfahrungen mit der Stadt beschreibt er mit drei Worten: „Abenteuerlich, erfrischend und herausfordernd.“ Gerade das Herausfordernde meint er dabei positiv: „Es bringt dich an deine Grenzen und erweitert deinen Horizont.“
Für Tobias gehört dazu, internationalen Studierenden nicht nur einen Studienplatz anzubieten, sondern ihnen auch Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie sich in Deutschland zurechtfinden können. Besonders positiv bewertet er deshalb Angebote wie die kostenlosen Deutschkurse, das Buddy-Programm und verschiedene Veranstaltungen für internationale Studierende. „Wenn eine Hochschule Schwächen erkennt und versucht, ihre Studierenden dabei zu unterstützen, ist das sehr hilfreich“, sagt er.
Gleichzeitig möchte er internationalen Studierenden Mut machen, sich auf Magdeburg einzulassen. Auch wenn eine Stadt zunächst nicht den eigenen Vorstellungen entspricht, könne es sich lohnen, genauer hinzusehen. „Man muss Magdeburg nicht lieben. Aber man sollte es ausprobieren, bevor man es abschreibt. Wenn man weiß, wo man suchen muss oder bereit ist zu suchen, gibt es hier viel zu entdecken.“
Nach seinem Bachelorabschluss möchte Tobias möglichst in Deutschland bleiben und im Bereich Nachhaltigkeit arbeiten. Sein Ziel ist es, sein Wissen praktisch einzusetzen, beispielsweise um Ressourcen zu schonen, Abfälle zu reduzieren oder Kreisläufe nachhaltiger zu gestalten. „Ich möchte irgendwo arbeiten, wo ich das, was ich gelernt habe, in die Praxis umsetzen kann“, sagt er.
„Auch wenn ich damit nicht gleich die Welt rette - es gibt etwas zu tun. Wir sollten nicht einfach sagen, dass die Welt untergeht und aufgeben.“ Bis dahin stehen noch ein Praktikum und seine Bachelorarbeit auf dem Programm und auch wenn sein Studium irgendwann endet, möchte Tobias seine Rolle als Ansprechpartner für andere internationale Studierende nicht ganz aufgeben. Denn eines hat er aus seiner eigenen Ankunft in Deutschland mitgenommen: „Ankommen wird leichter, wenn jemand da ist, den man fragen kann“.
DAAD-Preis macht Engagement sichtbar
Mit dem DAAD-Preis für hervorragende Leistungen internationaler Studierender zeichnet der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) jedes Jahr internationale Studierende an deutschen Hochschulen aus. Der Preis wird seit mehr als zehn Jahren vergeben und soll internationalen Studierenden ein Gesicht geben, ihre persönlichen Geschichten sichtbar machen und zeigen, welchen Beitrag sie zum Hochschulleben und zur Gesellschaft leisten.
Ausgezeichnet werden Studierende, die gute bis sehr gute Studienleistungen mit besonderem gesellschaftlichem oder sozialem Engagement verbinden. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert und wird über das Auswärtige Amt gefördert.
Aufgeschrieben von Laura Nagy | Foto von Laura Nagy | Veröffentlicht am 8. Oktober 2026