Engagement und Empathie: Ola Halawa erhält Otto-von-Guericke-Stipendium 2026

Ola Halawa lebt seit 2015 in Deutschland, studiert Soziale Arbeit an der Hochschule und engagiert sich beruflich wie ehrenamtlich für andere Menschen. Für ihre hervorragenden Studienleistungen und ihren gesellschaftlichen Einsatz erhält sie 2026 das Otto-von-Guericke-Stipendium der Landeshauptstadt Magdeburg.

Als Ola die Zusage für das Stipendium erhielt, dachte sie an die vergangenen Jahre zurück. „Besonders schön finde ich, dass nicht nur meine Leistungen im Studium gesehen werden, sondern auch mein Engagement und der Weg, den ich bis hierher gegangen bin“, erzählt sie. Die Auszeichnung bedeutet ihr viel und macht sie stolz.

Ursprünglich kommt sie aus Syrien, wo sie bereits Psychologie in Damaskus studiert hat. Heute befindet sie sich im sechsten Semester des Bachelor-Studiengangs Soziale Arbeit an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Mit einem Notendurchschnitt von 1,9 verbindet sie ihr Studium mit ihrer Arbeit als pädagogische Mitarbeiterin und ihrem Engagement für andere Menschen. Als alleinerziehende Mutter von drei Kindern meistert sie unterschiedliche Aufgaben und Verantwortlichkeiten.

Schnellfragerunde mit Ola:

Die Entscheidung für Soziale Arbeit hat viel mit Olas persönlichem Lebensweg zu tun. Sie möchte Menschen nicht nur unterstützen, sondern auch verstehen, warum sie in bestimmte Lebenssituationen geraten und was sie brauchen, um ihren eigenen Weg zu finden.

„Durch meine persönlichen Erfahrungen ist mir bewusst geworden, wie viel Unterstützung und Vertrauen bewirken können“, sagt sie.

Ihre eigenen Erfahrungen mit Sprache, Integration und gesellschaftlicher Teilhabe prägen auch ihren Blick auf die Arbeit mit anderen. Sie weiß, wie schwierig es sein kann, sich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden und sich auszudrücken, wenn die Sprache noch eine Hürde darstellt. Deshalb ist es ihr wichtig, Menschen aufmerksam zu begegnen und nicht vorschnell über sie zu urteilen.

Auch im Studium setzt sie sich mit Fragen gesellschaftlicher Teilhabe auseinander. Sie beteiligt sich an verschiedenen Arbeitsgruppen und engagierte sich unter anderem in einem Projekt zu Demokratie und Sozialer Arbeit, in dem auch Diskriminierung und Teilhabe thematisiert wurden.

Neben dem Studium arbeitet Halawa als pädagogische Mitarbeiterin im Betreuten Einzelwohnen beim Heimverbund MiTTeNDRiN in Magdeburg. Dort begleitet sie Jugendliche und junge Erwachsene in ihrem Alltag, darunter auch Menschen mit psychischen Belastungen oder Fluchterfahrungen.

Eine Begegnung aus ihrer Arbeit ist ihr besonders in Erinnerung geblieben. Ein Jugendlicher, den sie über längere Zeit begleitet hatte, sagte eines Tages zu ihr: „Ich warte manchmal extra, bis du Dienst hast. Weil ich bei dir alles loswerden kann, was mich beschäftigt. Du hörst mir zu und gibst mir Rat.“

Auch wenn er gerade nichts zu erzählen habe, freue er sich, sie zu sehen. Sie gebe ihm Kraft, seinen Weg weiterzugehen.

„Das hat mich wirklich berührt“, erzählt sie. Gerade in der Sozialen Arbeit sei nicht immer unmittelbar erkennbar, ob die eigene Unterstützung etwas bewirke. In diesem Moment sei ihr bewusst geworden, wie wichtig es für junge Menschen sein könne, eine Vertrauensperson zu haben, bei der sie sich ernst genommen fühlen.

„Solche Momente erinnern mich daran, warum ich diesen Beruf gewählt habe.“

Olas Einsatz endet nicht mit ihrer Arbeit oder dem Studium. Als Elternvertreterin an den Schulen ihrer Kinder setzt sie sich dafür ein, dass Eltern mitreden können und die Zusammenarbeit zwischen Familien und Schulen gelingt. Zeitweise engagierte sie sich außerdem bei Villa Wertvoll und begleitete dort Kinder und Jugendliche bei verschiedenen Angeboten.

Für sie muss gesellschaftliches Engagement nicht immer aus großen Projekten bestehen. „Manchmal reicht es schon, sich einzumischen, Verantwortung zu übernehmen oder für andere da zu sein.“

Auch ihre Erfahrungen aus dem Studium und ihre berufliche Praxis ergänzen sich. „Manchmal sitze ich in einer Vorlesung und denke an eine Situation aus meinem Arbeitsalltag. Und manchmal verstehe ich eine Theorie aus dem Studium besser, weil ich etwas Ähnliches bei der Arbeit erlebt habe“, beschreibt sie das Zusammenspiel von Theorie und Praxis.

Inzwischen verbindet Ola viel mit Magdeburg. Hier sind ihre Kinder groß geworden, hier hat sie ihr Studium begonnen und wichtige Menschen kennengelernt.

„Hier habe ich mir Schritt für Schritt ein Leben aufgebaut“, sagt sie. Die Verbindung zwischen Hochschule und Stadt ist für sie deshalb längst Teil ihres Alltags, denn sie studiert und begleitet gleichzeitig junge Menschen in der Stadt.

Auch die Auszeichnung sieht sie als Anerkennung für dieses Zusammenspiel. Das Otto-von-Guericke-Stipendium würdigt nicht nur ihre akademischen Leistungen, sondern auch ihren Einsatz über die Hochschule hinaus.

Für internationale Studierende wünscht sie sich, dass sie sich in Magdeburg willkommen und ernst genommen fühlen. Neben organisatorischer Unterstützung seien auch Möglichkeiten wichtig, Kontakte zu knüpfen, sich einzubringen und die eigenen Fähigkeiten zu zeigen.

„Ich wünsche mir, dass ihre Erfahrungen und Fähigkeiten genauso gesehen werden wie die Herausforderungen, die sie vielleicht mitbringen.“

Beruflich möchte die Ola weiterhin in der Kinder- und Jugendhilfe arbeiten. Sie will sich fachlich weiterentwickeln und künftig mehr Verantwortung übernehmen. Besonders wichtig bleibt ihr dabei der direkte Kontakt zu jungen Menschen.

Sie möchte Jugendliche und junge Erwachsene darin bestärken, trotz schwieriger Erfahrungen Vertrauen in sich selbst zu entwickeln und ihre eigenen Möglichkeiten zu erkennen. „Ich kann ihnen nicht alle Schwierigkeiten abnehmen. Aber wenn ich sie ein Stück auf ihrem Weg begleiten und ihnen dabei helfen kann, ihre eigenen Möglichkeiten zu erkennen, dann bedeutet mir das viel.“

Anderen internationalen Studierenden, die ihren eigenen Weg in Deutschland gehen, gibt sie einen Rat mit: „Habt Geduld mit euch selbst. Nicht alles muss sofort funktionieren.“

Sie weiß, wie anstrengend es sein kann, eine neue Sprache zu lernen, sich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden und gleichzeitig eigene Ziele zu verfolgen. Deshalb ermutigt sie dazu, Unterstützung anzunehmen und nicht aufzugeben. Vor allem aber sollten Studierende anerkennen, was sie bereits geschafft haben: „Man vergisst manchmal, wie weit man eigentlich gekommen ist.“

Otto-von-Guericke-Stipendium

Mit dem Otto-von-Guericke-Stipendium würdigt die Landeshauptstadt Magdeburg internationale Studierende, die hervorragende Studienleistungen mit besonderem gesellschaftlichem oder sozialem Engagement verbinden. Das Stipendium wird seit 2003 von der Landeshauptstadt Magdeburg und der Otto-von-Guericke-Universität vergeben. Seit 2017 können auch internationale Studierende der Hochschule Magdeburg-Stendal ausgezeichnet werden.

Die Förderung beträgt 6.000 Euro für ein Jahr, also 500 Euro monatlich. Sie soll den Studienaufenthalt in Magdeburg erleichtern und das Engagement der ausgezeichneten Studierenden anerkennen. Gleichzeitig übernehmen die Stipendiatinnen und Stipendiaten eine besondere Rolle als Bindeglieder zwischen Stadt und Hochschulen sowie als internationale Botschafterinnen und Botschafter Magdeburgs.

Für Ola Halawa ist die Auszeichnung eine Anerkennung ihres bisherigen Weges und eine Ermutigung, diesen weiterzugehen. Ihr Beispiel zeigt, wie persönliche Erfahrungen, akademische Leistungen und gesellschaftliches Engagement zusammenwirken können.

Wie bekomme ich ein Otto-von-Guericke-Stipendium?

Aufgeschrieben von Laura Nagy | Foto von Laura Nagy | Veröffentlicht am 9. Oktober 2026


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