„Traut euch!“ – Anja Müller über Frauen in der Wissenschaft
Der 11. Februar steht im Zeichen des Internationalen Tages der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft und macht auf die Bedeutung von Gleichstellung, Nachwuchsförderung und Vielfalt aufmerksam. Anja Müller, Gleichstellungsbeauftragte und Laboringenieurin des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und Industriedesign der Hochschule Magdeburg-Stendal zeigt, wie diese Themen im Alltag gelebt werden.
Anjas Werdegang ist vielseitig. Nach ihrem Abschluss in Wasserwirtschaft als Diplom-Ingenieurin im Jahr 2007 führte sie ihr Weg zunächst an das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Magdeburg, später an das Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme. Seit 2012 arbeitet sie an der Hochschule Magdeburg-Stendal am Institut für Maschinenbau und ist dort für die Planung und Begleitung von Versuchen, die Entwicklung von Verfahren für (Bio)-Werkstoffe sowie die Materialprüfung verantwortlich.

Darüber hinaus betreut sie den wissenschaftlichen Nachwuchs und wirkt an Projekten wie MagdeMINT mit – einem gemeinsamen Verbundvorhaben mit der Stadt Magdeburg, der Otto-von-Guericke-Universität und des Grünstreifen e.V., das die Förderung von naturwissenschaftlichen Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen zum Ziel hat.
Seit ihrem Berufseinstieg beobachtet sie positive Entwicklungen: Der Frauenanteil in natur- und ingenieurwissenschaftlichen Bereichen hat zugenommen. Mentoring-Programme zeigen zunehmend positive Effekte und Gleichstellungsinitiativen werden konsequenter umgesetzt. Dennoch bestehen nach wie vor zentrale Herausforderungen, darunter die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Unterrepräsentanz von Frauen in Führungsrollen. Anja erklärt: „Gleichstellung betrifft nicht nur Frauen, sondern die gesamte Fachbereichsgemeinschaft. Ziel ist es, ein Umfeld zu schaffen, in dem Leistung und Engagement unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Alter, Behinderung, sexueller Orientierung oder Weltanschauung im Mittelpunkt stehen.“
Für sie ist auch Interdisziplinarität zwischen den Studiengängen ein zentraler Erfolgsfaktor: „Interdisziplinarität ist keine Zusatzoption, sondern eine grundlegende Voraussetzung für zukunftsfähige Forschung und Lehre. Studierende lernen so, über Fachgrenzen hinaus zu denken und wissenschaftliche Methoden flexibel einzusetzen.“

Ein besonderes Anliegen ist für Anja die Förderung von Kindern und Jugendlichen, etwa im JuniorLab im Schauwerk auf dem Breiten Weg, einem außerschulischen Lernort der Hochschule. Dort können junge Menschen selbst experimentieren und Wissenschaft hautnah erleben. „Es macht mich glücklich zu sehen, wie Kinder aufblühen, wenn sie ein Thema, das anfangs herausfordernd erscheint, plötzlich verstehen.“
Ihr Rat an junge Frauen, die eine Karriere in den Ingenieur- oder Naturwissenschaften anstreben, ist klar: „Traut euch! Lasst euch nicht von Vorurteilen oder einem geringen Frauenanteil abschrecken. Sucht euch Vorbilder, sammelt praktische Erfahrungen und glaubt an euch selbst.“
Für Anja ist der Internationale Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft vor allem ein Aufruf, Mut zu machen: Wissenschaft braucht die Ideen, Kreativität und das Engagement von allen. Wie Marie Curie einst sagte: „Nothing in life is to be feared, it is only to be understood.“ Mit Neugier, Ausdauer und Selbstvertrauen lassen sich Herausforderungen meistern – im Labor ebenso wie im Leben.
Aufgeschrieben von Laura Nagy | Fotos: Melanie Ockert & Matthias Piekacz | Veröffentlicht am: 09.02.2026