Warum sich das Deutschlandstipendium lohnt?

„Ich dachte, ich habe doch gar nichts vorzuweisen.“

300 Euro im Monat, ein Motivationsschreiben und manchmal eine neue Tür in die Berufswelt

Gute Noten, Engagement, Zukunftspläne und dann auch noch der Mut, sich zu bewerben: Das Deutschlandstipendium klingt für viele Studierende erst einmal nach etwas, das „die anderen“ bekommen. Die mit dem perfekten Lebenslauf, den besten Noten und fünf Ehrenämtern neben dem Studium.

Doch das ist sehr individuell bei diesem Stipendium und das zeigen Franziska und Emil. Beide studieren Bauingenieurwesen an der Hochschule Magdeburg-Stendal im Bachelor, beide erhalten das Deutschlandstipendium und beide hatten zunächst ihre Zweifel.

Franziska studiert im sechsten Semester und schon im ersten Semester wurde sie wegen guter Leistungen in Baustoffkunde und Bauphysik auf das Stipendium aufmerksam gemacht, doch beworben hat sie sich damals trotzdem nicht.

„Ich habe dann festgestellt, dass ich eigentlich gar kein soziales Engagement habe und habe gesagt, dass ich mich nicht traue, mich zu bewerben.“

Erst zwei Semester später wagte sie es doch. Sie schrieb in ihrer Bewerbung nicht von einem klassischen Ehrenamt, sondern von dem, was sie ausmacht: ihrem Studium, ihren Zielen und ihrem Wunsch, später nachhaltig und energieeffizient zu bauen.

„Ich habe geschrieben, dass ich später eine nachhaltige Ingenieurin sein möchte.“

Auch ihre regelmäßige Plasmaspende nahm sie in die Bewerbung auf, was für sie ein Beispiel dafür ist, dass Engagement viele Formen haben kann.

„Das ist ja letztendlich ein lebensrettender Beitrag.“

Kein Preis für den perfekten Lebenslauf

Emil studiert Bauingenieurwesen im vierten Semester. Auf das Deutschlandstipendium wurde er unter anderem über den Fachschaftsrat und Infoveranstaltungen der Hochschule aufmerksam. Für ihn war irgendwann klar, dass er diese Chance nutzen möchte.

„Irgendwann habe ich gemerkt, das hier ist eine Gelegenheit, die ich nutzen muss.“

Engagement spielt in seinem Studienalltag eine große Rolle. Seit dem ersten Semester ist er im Fachschaftsrat aktiv, später kam die Mitarbeit im Prüfungsausschuss dazu. Besonders motiviert ihn, das Hochschulleben nicht nur mitzuerleben, sondern mitzugestalten.

„Es ist mir wichtig, nicht nur mein Studium zu gestalten, sondern auch aktiv etwas zur Hochschulgemeinschaft beizutragen.“

Trotzdem betont Emil: Das Deutschlandstipendium sei nicht nur etwas für Menschen, die auf dem Papier perfekt sind.

„Das Deutschlandstipendium ist kein Preis für den perfekten Lebenslauf, sondern eine Auszeichnung für Potenzial und Engagement.“

Wenn aus Förderung Praxis wird

Neben der finanziellen Unterstützung kann das Deutschlandstipendium auch berufliche Kontakte ermöglichen. Emil wird von der Landgesellschaft Sachsen-Anhalt gefördert und konnte dort bereits ein zweiwöchiges Praktikum absolvieren. Auch sein Praxissemester möchte er dort machen.

„Ich konnte theoretisches Wissen aus dem Studium direkt in die Praxis übertragen.“
Für ihn ist das Netzwerk deshalb fast genauso wertvoll wie die finanzielle monatliche Unterstützung. „Die Kontakte und die Unterstützung sind sehr viel wert.“

Franziskas Förderunternehmen ist die EUROVIA Verkehrsbau GmbH NL Magdeburg. Vor allem finanziell hilft ihr das Deutschlandstipendium im Alltag. Da sie neben dem Studium einen Minijob hat, geben ihr die 300 Euro monatlich mehr Sicherheit.
„Ohne das Stipendium müsste ich mehr arbeiten. So kann ich mich stärker aufs Studium konzentrieren.“

„Mach es einfach“

Beide Stipendiat:innen sind sich einig: Viele Studierende unterschätzen ihre Chancen. Franziska kennt diesen Gedanken selbst gut. Ihr Rat ist deshalb klar:„Mach es einfach. Wenn es nichts wird, dann ist es so. Du kannst nur profitieren.“

Auch Emil sieht bereits in der Bewerbung selbst einen Mehrwert. Wer ein Motivationsschreiben verfasst, setzt sich automatisch mit den eigenen Zielen auseinander. „Allein der Versuch bringt einen dazu, sich selbst zu reflektieren.“

Mehr Freiheit fürs Studium

Das Deutschlandstipendium unterstützt Studierende aller Nationalitäten und Fachrichtungen mit 300 Euro monatlich. Die Förderung ist einkommensunabhängig und wird nicht auf das BAföG angerechnet. Finanziert wird sie jeweils zur Hälfte vom Bund und von privaten Förderern wie Unternehmen, Stiftungen, Vereinen oder Privatpersonen.

Bewerben können sich Studierende der Hochschule Magdeburg-Stendal, die gute bis sehr gute Studienleistungen mitbringen, noch mindestens zwei Semester Regelstudienzeit vor sich haben und sich gesellschaftlich engagieren oder unter besonderen persönlichen Umständen leben.

Jetzt bewerben

Wer gute Leistungen, Motivation und eigene Ziele mitbringt, sollte sich nicht vorschnell selbst aussortieren. Das Deutschlandstipendium sucht nicht den perfekten Lebenslauf, sondern Menschen mit Potenzial.

Franziska bringt es auf den Punkt: „Trau dich einfach!“ Alle Informationen zur Bewerbung →

Im vergangenen Jahr profitierten 58 Studierende der Hochschulen Magdeburg-Stendal von der Förderung. Bewerbungen für die nächsten Deutschlandstipendien sind noch bis zum 30. Juni 2026 möglich. Die Verleihung findet in einem feierlichen Rahmen im Oktober statt. 

 

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Bachelor Bauingenieurwesen

Fotos: Laura Nagy, privat


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