Diskriminierung - Klingt doof, ist es auch

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Ein Mosaik setzt sich aus Teilchen unterschiedlichster Formen, Farben und Größen zusammen. Gerade das Zusammenspiel vielfältiger Steine macht es interessant und einzigartig. Die Mosaikmetapher wird deshalb vom Antidiskriminierungsnetzwerk Mosaik h2 aufgegriffen, das für Vielfalt an der Hochschule Magdeburg-Stendal steht.

Seit 2016 engagieren sich Freiwillige der Hochschule offiziell für Antidiskriminierung. Josefine Heusinger, Professorin im Fachbereich Soziale Arbeit, Gesundheit und Medien, ist eine von denjenigen, die von Anfang an dabei war: „Ich war immer wieder mit Fällen von Diskriminierung konfrontiert und konnte wenig helfen, weil schlichtweg die Strukturen für Diskriminierungsschutz fehlten. Diese Erfahrungen haben mich wütend gemacht, deshalb bin ich aktiv geworden.“ Wichtigstes Ziel neben der Sensibilisierung ist es daher auch, „verbindliche Strukturen für Beratung und Prävention, Beschwerde und Sanktionen einzuführen sowie die dafür nötigen Ressourcen zu erstreiten“, erläutert Heusinger.

Empowern und ermutigen

Das Antidiskriminierungsnetzwerk Mosaik h2 besteht aus einem festen Kern aus neun Personen, darunter Mitarbeitende, Lehrende und Studierende der Hochschule. Eine von ihnen ist Tabea Groß. Die 22-Jährige studiert im sechsten Semester Gesundheitsförderung und -management, ist seit eineinhalb Jahren im Netzwerk aktiv und übernimmt in ihrer Rolle als studentische Hilfskraft auch organisatorische Aufgaben, wie die Vor- und Nachbereitung der monatlich stattfindenden Sitzungen. „Aktuell arbeiten wir an den Richtlinien zum Diskriminierungsschutz – ein Papier, um den Schutz vor Diskriminierung an der Hochschule strukturell zu verankern, das zukünftig offiziell als Leitlinie gelten soll“, erklärt Tabea Groß. Diskriminierung hat dabei viele Gesichter. Es gibt Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, der ethnischen oder sozialen Herkunft, des Alters, einer Behinderung, der sexuellen Identität oder der Religion. In der Vergangenheit gab es bereits Fälle, bei denen sich Betroffene direkt an einzelne Mitglieder des Netzwerkes gewandt haben: „Wir sind eine erste niedrigschwellige Anlaufstelle. Wir dürfen zwar nicht beraten, können aber an die richtigen Stellen weiterverweisen.“ Und trotz alledem wünscht sich die Studentin noch mehr Austausch: „Ich fände es total schön, wenn die Stimmen der Betroffenen noch stärker werden würden. Das ist auch unsere Motivation. Denn mit der Netzwerkarbeit möchten wir ja gerade diejenigen empowern und ermutigen, laut zu sein, die Diskriminierung erfahren.“

Jedes Mitglied des Netzwerkes war mindestens schon Zeug:in von Diskriminierung, so wie auch Tabea Groß: „Ich komme aus der Nähe von Chemnitz und wurde daher schon recht früh mit Rechtsextremismus konfrontiert.“ Die Studentin wollte sich diesen Problemen bewusst stellen, weshalb sie sich bereits als Schülerin mehrere Jahre innerhalb einer AG gegen Rassismus und Diskriminierung engagiert hat. „Umso mehr freue ich mich, dass ich diese Arbeit an der Hochschule fortsetzen kann.“ Die Mitarbeit im Netzwerk prägt auch ihren Alltag, „da ich bewusster mit Diskriminierung umgehe und in vielen Situationen überlege, ob Minderheiten vergessen werden. Außerdem denke ich viel darüber nach, wie man für alle ein besseres Zusammenleben ermöglichen kann. Das ist der Mehrwert, den ich mitnehme.“

Vielfalt in der Hochschule

Zum Portfolio des Netzwerkes gehören auch Veranstaltungen, die in Kooperation mit anderen Initiativen und Partnern organisiert werden, wie zum Beispiel Filmveranstaltungen mit Diskurs, Buchvorstellungen, Aktionstage und Argumentationstrainings gegen rassistische Einstellungen. In den letzten Monaten hat sich das Netzwerk intensiv mit Diskriminierung aufgrund der sexuellen Identität und Orientierung beschäftigt und wird gemeinsam mit der AG Queer² Events organisieren. Zusammenarbeit und Kooperationen wie diese sollen zukünftig noch viel mehr stattfinden. Josefine Heusinger wünscht sich für die Zukunft, „dass das Netzwerk Mosaik durch Knotenpunkte in allen Fachbereichen, Dezernaten und Abteilungen der Hochschule verbunden ist und durch kreative, bildende, solidarische, lustige und ernste Aktivitäten die Themen rund um Diskriminierung zu einem selbstverständlichen Teil der Hochschulkultur werden lässt, damit sich alle Menschen in der ganzen Vielfalt an der Hochschule willkommen und sicher fühlen können.“

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