Marja ist 24 Jahre alt und befindet sich im 4. Semester ihres Studiums der Rehabilitationspsychologie. Studieren heißt für sie, Neues zu lernen, vor allem aber auch sich selbst kennenzulernen.

Nicht zu klein denken

#Stendal
#Menschen
#Hochschulleben

Aus ihrem bisherigen Studi-Leben hat sie vor allem eines mitgenommen: Nicht zu klein denken und für sich selbst einstehen. Wir finden, das sind wahre Worte und freuen uns, dass so eine starke Frau wie Marja Gesicht für unsere Hochschule zeigt.  

„Irgendwas mit Kindern“, diese berufliche Richtung wollte Marja schon lange einschlagen. Bestärkt wurde sie darin durch die Erfahrungen während ihres Freiwilligen Sozialen Jahres in einer Kindertageseinrichtung, das sie nach dem Abitur absolviert hat. „Das FSJ war sehr prägend und ich merkte schnell, dass mir dir Arbeit mit Kindern sehr liegt und mir auch mehr Spaß macht als mit Erwachsenen.“ Dort habe sie sich schließlich mit der Frage auseinandergesetzt, wie man sich professionell für Kinder und ihre Rechte einsetzen kann. Das führte Marja schließlich nach Stendal, wo sie zunächst Angewandte Kindheitswissenschaften studierte.

„Man muss sich selbst einbringen und etwas zur Gemeinschaft beitragen”

Von ihrer Heimat Darmstadt ist Stendal ziemlich weit entfernt, zumal sie das kleine Hansestädtchen nur aus dem Gesellschaftsspiel Deutschlandreise kannte, „outet“ sich Marja schmunzelnd. Sie erinnere sich noch gut, wie aufgeregt und neugierig sie war, die gewohnte Umgebung zu verlassen und an einen neuen Ort zu ziehen. Eigentlich wollte sie immer in eine große Stadt. Doch enttäuscht sei sie nicht gewesen, als es Stendal wurde. Dass es keine Großstadt ist, sehe sie eher als Vorteil. Man lerne schnell viele neue Leute kennen und würde sich dank kurzer Wege spontaner verabreden. „Es ist auch nicht so anonym, auch nicht unter den Dozenten, da es keine große Uni ist, sondern eine kleinere Hochschule. Das ist echt angenehm.“

Neugierig, wissenshungrig und gespannt auf das Studentenleben startete Marja in ihr Studium. Sie nahm von Anfang an aktiv am Hochschulleben teil. Schon mehrmals plante sie das jährliche Sommerfest und übernimmt – in einem normalen, coronofreien Leben – eine Schicht in der studentischen fet-Bar, wo regelmäßig Partys stattfinden, die auch organisiert werden müssen. Mitglied im Fachschaftsrat ist Marja dazu auch noch. Nur so könne man auch wirklich Fuß fassen und neue Leute kennenlernen. Einen Beitrag für den Ort und die Menschen zu leisten, die einen umgeben, ist ihr sehr wichtig: „Man muss sich selbst einbringen und etwas zur Gemeinschaft beitragen. Ich fühle mich hier auf jeden Fall zugehörig und gut aufgehoben.“ Wenn Marja nicht gerade am Studieren ist oder sich auf dem Campus engagiert, findet man sie hin und wieder in ihrer zum Aufnahmeraum umgebauten Abstellkammer. Denn nebenberuflich macht sie „Voiceovers“. Das sind eingesprochene Tonaufnahmen, z.B. Werbetexte für Unternehmen, die sie im Anschluss bearbeitet und schneidet. Das sei ein guter Nebenverdienst, der auch noch Spaß mache.

„Wenn ich etwas habe, wofür ich brenne, kann ich richtig viel Power reinstecken”

Im Studium lief es gut für Marja, aber sie merkte zunehmend, dass es nicht das ist, was sie ihr Leben lang tun möchte. Während ihres Praxissemesters im 5. Semester wurde ihr klar, dass sie lieber intensiv mit einzelnen Kindern arbeiten möchte, als immer mit neuen verschiedenen Gruppen. „Ich hab dann gemerkt, dass mein Herz stärker für die psychologischen Themen schlägt.“ Der point of no return war ein Gespräch mit einem Kumpel, der ihr dazu riet, einfach nochmal Psychologie zu studieren. Von da an kreisten die Gedanken unaufhörlich um das Thema. Vorher habe sie nie auf dem Schirm gehabt, nochmal einen Bachelor zu machen. Als sie schließlich eine Zusage in Stendal für Rehabilitationspsychologie erhielt, wurden alle Zweifel über Bord geworfen: „Ich habe gespürt, dass es das Richtige ist.“

Während sie in ihrem ersten Studium nie genau wusste, wie ihre berufliche Zukunft aussehen wird, hat sie heute einen genauen Plan davon: Nach dem Bachelor soll ein Masterstudium folgen, daran schließt eine Ausbildung zur Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche an. Sie könne sich auch gut vorstellen, später eine eigne Praxis aufzubauen und als selbstständige Therapeutin zu arbeiten. „Wenn ich etwas habe, wofür ich brenne, kann ich richtig viel Power reinstecken. Ich stecke meine Energie mittlerweile ungern in Sachen, hinter denen ich nicht stehe.“

Früher hätte Marja nie gedacht, dass sie heute Psychologie studieren würde, um Therapeutin zu werden. „Man verbindet das immer mit einem 1,0er-Abi. Aber das liegt alles nur an dem System, das Leute in gut und schlecht, schlau und schwach einteilt. Man sollte nicht zu klein denken und seine Träume einfach verfolgen. So schwer ist es am Ende gar nicht, einfach Schritt für Schritt gehen.“ Bereut habe Marja daher auch keinen ihrer Schritte, auch nicht ihr abgeschlossenes Studium der Kindheitswissenschaften. Im Gegenteil, alles habe seinen Zweck gehabt und der Prozess sei wichtig gewesen, damit sie heute dort steht, wo sie steht. Ein Zweitstudium, ein Studienwechsel oder -abbruch sollte heutzutage weniger negativ behaftet sein: „Es ist doch ein Fortschritt, denn du lernst dadurch. Das ist ein Schritt näher zu dir. Du merkst, was dir nicht gefällt, was dir besser gefällt und wagst es, neue Weg zu gehen.“ Sie sei sehr stolz darauf, es durchgezogen zu haben und sei dadurch mutiger geworden.

Das Wichtigste frage ich Marja zum Ende unseres Gespräches, und zwar wie sie zum berühmt-berüchtigten Käseschnitzel aus der Mensa steht. Es käme auf die Tagesverfassung an, aber meistens habe sie danach einen großen Klumpen im Bauch, fasst sie lachend zusammen.

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