Vom Studium, der Leidenschaft und dem Leben

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„Mach watte wills und reiss dir dafür den Arsch auf”

Frei. Selbstständig. Individuell. Mit diesen drei Worten beschreibt Jara ihr Studium in Kommunikationsdesign in Nordrhein-Westfalen. Doch schnell wird deutlich, dass diese Beschreibung auch allzu gut zu ihr passt: Mit 27 ist sie bereits seit über 3 Jahren selbstständige Fotografin und Konzeptionerin. Ergänzt werden kann das um weitere Wörter wie professionell, kreativ, lebensfroh und ein bisschen crazy (das lustige crazy, nicht das gruselige).

Aber was hat Jara nun eigentlich mit der Hochschule Magdeburg-Stendal zu tun? Inzwischen sehr viel. Sie ist als kreativer Kopf ganz vorn dabei, um Jungs und Mädels, die Bock auf ein Studium haben, unsere Hochschule näherzubringen. Dieser Umstand ist kein Zufall, sondern business as usal und lief im Schnelldurchlauf ungefähr so ab: Hochschule sucht Fotografin, Fotografin überlegt sich Konzept, Fotografin reicht Konzept ein, Hochschule sichtet alle Konzepte, Jara hat Hochschule überzeugt. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass sie selbst begeistert studiert, Dinge ausprobiert und sich verwirklicht hat, womit sie beste Voraussetzungen mitbrachte, um die Stärke unserer Hochschule bildlich festzuhalten. 

Ich nehme das zum Anlass, Jara ein bisschen auszufragen – zu ihrem Job an unserer Hochschule, ihrer Arbeit und ihrer Zeit als Studentin.

Eine Kampagne machen

Wie sieht so ein Tag bei einem Kampagnenshooting aus? Gib mal einen Einblick.

Durch die Distanz von 500 km zwischen euch und mir haben wir schon vorab sehr konkret alles durchgeplant. Ohne Kommunikation geht da gar nichts, aber nachdem der Shootingplan stand, konnten wir sehr straight durcharbeiten. Vor Ort schießen wir dann ca. 8 Stunden durch. Solche Tage sind eng getaktet und leben vom Auf- und Abbau des ganzen Equipments. Ohne lachen, den ein oder anderen doofen Spruch und eine gute Connection zu den Menschen vor der Kamera geht´s aber nie, das muss sein.

Wie viel Arbeit macht so eine Kampagne?

Die meiste Arbeit findet vorab statt: die Situation analysieren, Zielgruppe, Mission und Werte nicht außer Acht lassen und dann ein gestalterisches Konzept entwickeln. Ich arbeite mit einem tollen Team zusammen, die meine Ideen auch ehrlich kritisieren, ergänzen oder bestärken. Sehr selten setzen die Konzeptioner auch ihre Ideen selbst um, das ist eines meiner Alleinstellungsmerkmale. Ich weiß deshalb von Anfang an, wie alles aussehen wird, weil es in meinem Kopf schon fertig ist. Die tatsächliche Umsetzung vor Ort ist der kleinste Teil. Erst danach beginnt die Postproduktion. Eine Kampagne ist immer ein Fulltime-Job, weshalb es ohne Team auch nicht machbar ist. Das Tolle an einer Kampagne ist aber, dass man den Prozess von Anfang bis Ende begleitet. Man lebt das Projekt mit und entwickelt auch immer eine persönliche Verbundenheit (deshalb lasse ich mir für jede große Kampagne ein Tattoo stechen ... da kommt also noch was ;). Am Ende alles fertig zu sehen, online, in Print, auf der Straße - das ist ein saustarkes Gefühl und jede Stunde Arbeit wert.

Warum glaubst du, ist die Hochschule Magdeburg-Stendal ein guter Ort für junge Menschen?

Ich halte die Hochschule und auch Magdeburg für einen Ort, an dem man noch aktiv mitwirken kann. Das halte ich grundsätzlich, aber vor allem für junge Menschen, für unfassbar wichtig. Außerdem hauen mich die Mieten um, es kann sich ein Student oder eine Studentin eine schöne Wohnung leisten, das kenne ich so nicht. Die Ausstattung an der h2 hat mir auch sofort gefallen, hier muss ich nichts „verkaufen“, es ist wirklich alles da.

Gibt es etwas, was dir vom ersten Teil des Kampagnenshooting in besonders guter Erinnerung geblieben ist?

Haha, gute Frage! Tatsächlich hat mich die Organisation am meisten umgehauen. Normalerweise läuft irgendwo immer was schief. Ein Model kommt zu spät, irgendwer vergisst irgendwas und ehrlich gesagt hat mein Job oft mit viel Warterei zu tun, das lief irre reibungslos. Jedes Model war auf die Minute pünktlich und hat vor der Kamera gleich richtig abgeliefert, das passiert super selten und ich halte das auf jeden Fall in bester Erinnerung. Abgesehen davon ist es aber auch grundsätzlich eine tolle Atmosphäre bei euch.

Die Fotografie und du

Was magst du an deiner Arbeit?

Ich mag grundsätzlich mein Handwerk sehr gern. Dinge, die in meinem Kopf entstehen greifbar zu machen, das macht mir wahnsinnig großen Spaß. Außerdem zermartere ich mir gern das Hirn, nichts ist für mich schlimmer als aufgabenlos zu sein. Meine Arbeit hält mich also wach und fordert mich immer wieder heraus. Dadurch wachse ich auch persönlich an dem, was ich tue. Ich mag aber auch das Drumherum, also Logistik, Bürokram, Kundengespräche.

 

 

 

Hat es dich viel Mut gekostet, selbstständig zu werden?

Ich bin in einem kreativen, selbstständigen Elternhaus aufgewachsen. Meine Eltern haben eine Werbeagentur mit Schwerpunkt Messedesign. Ich bin also damit groß geworden und wusste vielleicht mehr als andere, dass Selbstständigkeit vor allem eines bedeutet: SELBST und STÄNDIG. Aber ich kenne auch die Vorzüge und Freiheiten. Also doch, irgendwie war das immer klar.

Was fasziniert dich so sehr an der Fotografie?

Fotografie ist für mich eine Sprache. Ich kann mit meinen Bildern etwas ausdrücken, Emotionen erwecken, zum Umdenken bewegen. Davon abgesehen bin ich ein ziemlicher Nerd und mag auch die ganze Technik dahinter. Neben kommerzieller Arbeit mache ich ja auch viel Streetphotography. Das ist so mein eigenes Baby. Ich finde Gestaltung und Fotografie sind auch Verantwortung, deshalb sind mir politische und gesellschaftliche Werte in meiner Arbeit immer sehr wichtig. Es geht um Umdenken und Weiterentwicklung. Ich versuche so wenig Stereotypen zu bedienen wie möglich, selbst wenn ich werblich arbeite.

Wenn du keine Fotografin wärst, was wärst du dann?

Puhhh, auf jeden Fall auch etwas Kreatives ... Handwerkerin, Tattoowiererin, Innenausstatterin, Kriegsreporterin, Tierpräperatorin oder sowas.

Gibt es etwas, über das du dir oft Gedanken machst?

Ich mache mir grundsätzlich viele Gedanken, ich finde das Mitwirken in der Gesellschaft sehr wichtig. Politische und soziale Themen sind bei mir immer präsent. Ansonsten bin ich sehr zufrieden, das liegt aber auch an einer ganz einfachen Lebenshaltung: „Mach watte wills und reiß dir dafür den Arsch auf“ klingt simpel und plump, aber bringt es auf den Punkt. Wenn man für etwas brennt und sich selbst treu bleibt, dann geht alles.

„Studieren heisst vor allem: Tun was man liebt”

Früher & Heute

Wusstest du schon immer, was du studieren möchtest und wo die Reise hingehen soll?

Ich habe Kommunikationsdesign in Aachen studiert. Das wollte ich schon sehr lange. Ich habe meine erste Digitalkamera mit 14 gekauft und sie auf jedes Konzert geschleppt. Als waschechte Punkrockerin war da immer viel los. Mit 17 habe ich dann das Gymnasium nach der mittleren Reife verlassen, um mein Fachabitur in Gestaltung zu machen, das schien mir sinnvoller. Dann habe ich ein Jahr in einer Agentur gearbeitet und an meiner Mappe gefeilt, mein Studiengang ist ja mit Eignungsprüfung nicht so leicht zugänglich. Also ja, ich wusste das irgendwie schon mit 15/16.

Inwiefern hast du dich in Laufe deines Studiums verändert?

Ich wusste am Anfang meines Studiums zwar, wohin ich mal will, war aber noch nicht so bereit, auch so viel zu investieren. Das hat sich definitiv verändert. Mein Job ist zum Glück meine absolute Leidenschaft. Ich habe gemerkt, dass ich alles, was ich an Arbeit investiere, zumindest emotional doppelt zurückbekomme. Mein Bachelorprojekt war dann auch ein Marathonlauf. Ich habe ein Projekt umgesetzt, dass so umfangreich war, dass ich manchmal selbst Angst hatte. Aber, hab ich gerockt, 1.0 ;)

Wie heißt es, zu studieren?

Studieren bedeutet für mich vor allem zu sich selbst zu finden. Es ist eine Zeit im Leben, in der man einfach viel ausprobieren kann, testet, anfängt, verwirft, aufhört, hinschmeißt und wieder anfängt. Ich denke dieser Prozess ist unabdingbar und hilft einem zu dem zu werden, der man ist. Studieren heißt vor allem: Tun was man liebt.

Was rätst du Mädels und Jungs, die studieren möchten?

Wenn ihr studieren wollt, dann hört auf euch selbst, horcht in euch rein. Am Ende des Tages zählt nicht, was deine Familie denkt oder was deine Freunde cool finden, am Ende geht´s darum zu tun, was man selbst richtig gut findet. Das heißt nicht, dass es leicht wäre ... im Gegenteil, was man liebt, macht man besser. Studieren hat seinen Namen eben aus gutem Grund. Selbststudium ist ein großes Thema, also studiert irgendwas, das euch nicht frustriert, wenn ihr euch mitten in der Nacht mit Prüfungsfragen rumschlagt ;)

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