Ein Sprung ins kalte Wasser

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Was es praktisch heißen kann, wenn im Semesterplan des Journalismus-Bachelors "Auslandssemester" steht, erzählt dir Nina. 

Als ich mich vor zwei Jahren nach einem Studium erkundigte, stand ziemlich schnell fest, dass ich „Irgendetwas mit Medien“ machen möchte. Journalismus an der Hochschule Magdeburg-Stendal schien wie das perfekte Studium für mich. Es gab jedoch etwas, dass mir bereits vor Beginn des Studiums einen Heidenrespekt einjagte: Das Praxissemester.

In den sechs Semestern des Journalismus-Studiengangs ist ein Auslandssemester festgeschrieben. Um meinen Bachelor zu bekommen, muss ich entweder ein halbes Jahr in einem fremdsprachigen Land studieren oder Praktika absolvieren. Eigentlich ziemlich sinnvoll, dachte ich mir, denn gerade im Journalismus wird auf Praxiserfahrung gesetzt. Daher reizte es mich von Anfang an, ein Praktikum in meinem Auslandssemester zu machen.

Doch auch hierfür gab es ein paar Kriterien. Eine davon war, dass mindestens zwölf Wochen im fremdsprachigen Ausland absolviert werden müssen. Für drei Monate im Ausland leben und arbeiten? Eine ungewohnte Vorstellung. Denn so wirklich weg war ich eigentlich noch nie, wenn man von den zwei Wochen Urlaub in Spanien vor sieben Jahren absieht. Selbst jetzt im Studium trennen mich nur 60 Kilometer zu meiner Heimat. Für zwölf Wochen also ins kalte Wasser springen und „alles zurücklassen“? Wie sollte ich mich dafür je bereit fühlen?

Etwas, was mich dabei besonders verunsicherte, waren meine Englischkenntnisse. Natürlich konnte ich auf Englisch kommunizieren, aber auch mit anderen Menschen zusammenarbeiten? Diese Angst legte sich durch meine Seminare, in denen wir Englisch sprachen, zum Glück sehr schnell. Während wir im ersten Semester vornehmlich unser Englisch wiederholten und festigten, wurden wir im zweiten Semester speziell auf das Schreiben und Sprechen im Journalismus vorbereitet. Dadurch bekam ich ein besseres Gefühl für die englische Sprache, aber auch allgemein für Medienproduktionen. 

Neben Vorlesungen haben wir in unserem Studium sehr viele praxisorientierte Seminare. Der Fokus liegt darauf, das Handwerk „Journalismus“ zu lernen. Wir schreiben Reportagen, führen Interviews vor und hinter der Kamera und setzen unsere eigenen Ideen um. Aus dem „Ausprobieren“ ist nach ein paar Semestern eher eine Routine geworden. Prüfungsleistungen sind viel mehr Beiträge, auf die ich stolz bin und gerne zeige. Die Sehnsucht, eigene Arbeiten zu veröffentlichen, ist in den letzten drei Semestern umso größer geworden. Mittlerweile bin ich an dem Punkt angekommen, an dem ich mein Können auch unter Beweis stellen will.

Nicht nur die Sorge um meine geeigneten Sprachkenntnisse ging allmählich zurück, sondern auch die Suche nach einem Praktikumsplatz zeigte sich als sehr angenehm. War ich vor dem Studium völlig planlos, wo ich mich bewerben sollte, ergaben sich mit der Zeit viele spannende Möglichkeiten. Studierende aus höheren Semestern erzählten von ihren Erfahrungen und Dozent:innen gaben uns Tipps bei den Bewerbungen. Auch meine Bedenken zu einem neuen Umfeld rückten allmählich in den Hintergrund. Denn mir wurde klar: Mit dem Studium hatte ich bereits einen Sprung ins kalte Wasser gewagt. Ich habe mich auf einen neuen Lebensabschnitt eingelassen. Wieso sollte ich das nicht nochmal können? Und wieso sollte ich dabei nicht genauso viel Spaß haben? Der gravierendste Unterschied ist letztendlich nur die Kilometeranzahl nach Hause.

In zwei Wochen ist es dann endlich soweit. Ich starte in das vierte und damit ins Auslandssemester. Für mich stehen zwei Praktika an: Eins in Deutschland und eins in Dänemark. Dass ich für beide Praktika mein Zuhause verlasse, war ursprünglich nicht geplant. Aber mit dem, was ich gelernt habe, traue ich mich gleich zweimal ins kalte Wasser zu springen. Natürlich bin ich aufgeregt, aber die Vorfreude überwiegt. Vor dem Studium schien es mir unvorstellbar für ein Praktikum so weit wegzuziehen. Mittlerweile bin ich wahnsinnig froh, dass wir in unserem Studiengang ein Praxissemester haben: Sonst wäre ich womöglich nie auf die Idee gekommen loszuziehen. Ich freue mich darauf, neue Kulturen kennenzulernen und mal „rauszukommen“. Das Studium hat mein Handwerk, aber auch mein Selbstvertrauen innerhalb kürzester Zeit reifen lassen. Anfangs hat es sich angefühlt, als würde ich einen Sprung ins kalte Wasser von einem 10 Meter Turm wagen. Mit den drei Semestern, die ich im Rücken habe, fühlt es sich inzwischen viel mehr wie ein Sprung vom Beckenrand an.

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Aufgeschrieben von Nina Stein. 

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