Zwischen Kinderzimmer und Campus: Studieren mit Kind

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Ein Studium ist für viele schon ohne zusätzliche Verantwortung eine Herausforderung. Wenn man jedoch gleichzeitig Elternteil ist, bekommt der Studienalltag eine ganz neue Dimension. Zwischen Vorlesungen, Abgabefristen, Kinderbetreuung, Krankheiten und manchmal auch Nebenjobs bleibt oft wenig Raum für Pausen. Trotzdem entscheiden sich immer mehr Eltern bewusst dafür, ein Studium aufzunehmen oder fortzusetzen.

Die Gründe dafür sind vielfältig: bessere Berufsperspektiven, der Wunsch nach persönlicher Weiterentwicklung oder die Hoffnung auf mehr Sicherheit, für sich selbst und für das eigene Kind.

Organisation statt Routine

„Einen typischen Tag gibt es eigentlich nicht“, beschreibt Tambi, Studentin des Studienganges Language and Communication in Organizations, die alleinerziehend ist und eine dreijährige Tochter hat. Ihr Alltag richtet sich nach Kita-Zeiten, Vorlesungsplänen und der Tagesform ihres Kindes. Mal besucht sie Lehrveranstaltungen auf dem Campus, mal bleibt sie zu Hause oder bringt ihr Kind mit zur Hochschule, wenn nur ein einzelner Kurs ansteht. Unterstützung erhält sie durch Kita, Großeltern und das Angebot der Campus-Kids.

Auch Paul, verheiratet und Vater eines heute neunjährigen Sohnes, kennt diese Herausforderung. Er begann sein Bachelorstudium im Bereich Gesundheitsförderung und -management erst, als sein Sohn eingeschult wurde. „Die Situation war einfach stabiler“, erklärt er. Seine Frau arbeitet in einer Arztpraxis und ist an feste Arbeitszeiten gebunden, weshalb eine gute Abstimmung im Familienalltag besonders wichtig war.

Unterstützung durch die Hochschule

Ein entscheidender Faktor für beide ist die Unterstützung durch die Hochschule. Paul profitierte vom sogenannten KomPass-Nachteilsausgleich, der studierenden Eltern unter anderem verlängerte Bearbeitungszeiten für Haus- und Abschlussarbeiten ermöglicht. Auch bei der Kurswahl wurde er bevorzugt berücksichtigt, um vor allem Vormittagsveranstaltungen belegen zu können.

Besonders positiv erlebte er die Offenheit vieler Dozierender: In den Schulferien durfte er seinen Sohn mit in Veranstaltungen bringen, teilweise wurde dieser sogar aktiv eingebunden. Wenn Anwesenheit einmal nicht möglich war, konnten Ersatzleistungen erbracht werden.

Auch die alleinerziehende Tambi berichtet von Verständnis, aber auch von Grenzen: „Manchmal hört man eben auch, dass es ein Vollzeitstudium ist.“ Kinderkrankheiten oder eigene gesundheitliche Probleme können sorgfältige Planung schnell zunichtemachen – Nachholen ist dann oft nur begrenzt möglich.

Finanzielle und emotionale Belastungen

Finanziell ist das Studieren mit Kind für viele eine Herausforderung. Neben BAföG, Kindergeld, Wohngeld oder Familienversicherung müssen Familien oft Abstriche machen. Paul beschreibt, dass sich die Familie insgesamt „zurückschrauben“ musste, da zeitweise nur ein Einkommen vorhanden war. Rückblickend wünscht er sich vor allem eines: eine klarere, automatische Kommunikation über bestehende Leistungsansprüche, ohne dass man sich alles mühsam selbst zusammensuchen muss.

Auch emotional ist die Situation nicht immer leicht. „Man ist nicht immer allein, aber manchmal sehr einsam“, beschreibt die Studentin. Hilfe anzunehmen, fällt vielen schwer – dabei ist genau das oft entscheidend, um durchzuhalten.
 

Motivation und Fazit

Was beide eint, ist ihre starke Motivation. Paul möchte gesellschaftlich etwas verändern und seinem Kind eine lebenswerte Zukunft ermöglichen. Tambi entschied sich für einen internationalen Studiengang, auch aus Sorge um die politische Zukunft und um sich neue Perspektiven zu eröffnen.

Positiv überrascht hat beide vor allem eines: dass sie es schaffen. Vielleicht nicht immer perfekt, nicht immer ohne Zweifel, aber Schritt für Schritt.


Ihr gemeinsamer Rat an andere studierende Eltern:
Redet mit Dozierenden, nutzt Unterstützungsangebote, beantragt Nachteilsausgleiche und baut euch ein verlässliches Netzwerk auf. Studieren mit Kind ist anspruchsvoll, doch mit den richtigen Rahmenbedingungen absolut machbar.

Unterstützung in besonderen Lebenslagen

Familienzimmer in Stendal

CampusKinderzimmer in Magdeburg

 

Aufgeschrieben von Laura Nagy | Fotos: privat, Aileen Burkhardt | Veröffentlicht am: 24.02.2026


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