Mathematik im Studium: Wo sie gebraucht wird und wie man sie schafft
Mathematik – für die einen gehasstes, für die anderen ein geliebtes Schulfach. Und auch im Studium kommt man manchmal nicht ganz ohne sie aus. Doch welche Studiengänge sind besonders mathelastig und wo tauchen die größten Schwierigkeiten auf? Wir haben uns darüber im Interview mit Mathematik-Professor Reik Donner unterhalten, der gleich noch ein paar Tipps für (zukünftige) Studierende mitgebracht hat.
In welchen Studiengängen der Hochschule braucht man besonders viel Mathematik?
Nicht ganz überraschend sind das in erster Linie die Ingenieursfächer: insbesondere Maschinenbau und Elektrotechnik, aber auch das Bauingenieurwesen erfordern im Studienverlauf – und je nach Job in der späteren Berufspraxis – sehr umfangreiche Kompetenzen über alle mathematischen Teilbereiche hinweg. Mit gewissen Abstrichen gilt Ähnliches auch für Studiengänge wie das Wirtschaftsingenieurwesen oder die Wasserwirtschaft. In reinen Wirtschaftsstudiengängen sind es besonders Kompetenzen im Umgang mit Daten, sprich im Bereich der Statistik, die eine solide schulische Mathematik-Ausbildung als Grundlage erfordern. Gerade beim Thema Statistik sollte man aber nicht unterschlagen, dass dieses auch in vielen sozial- und gesellschaftswissenschaftlichen Fachrichtungen eine starke Rolle spielt, die mit dem wachsenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz eher noch zunimmt.

Was sind die häufigsten Schwierigkeiten, die die Studierenden haben?
So verschieden unsere Studierenden sind, so unterschiedlich sind auch deren individuelle Schwierigkeiten. Sehr häufig erlebe ich leider schon sehr grundlegende Probleme mit vergleichsweise elementaren mathematischen Konzepten aus dem Bereich der Mittelstufe, z.B. dem Umstellen und Lösen einfacher Gleichungen oder Gleichungssysteme. Entsprechende Defizite dann parallel in den ersten Wochen und Monaten des Studiums mit aufzuholen, ist dann natürlich sehr herausfordernd. In der Breite problematischer ist aber der Abstraktionsgrad der höheren Mathematik, die über den gewohnten Schulstoff hinausgeht. Wir versuchen als Lehrende bei uns an der Hochschule natürlich nicht, Mathematiker:innen auszubilden. Um aber kompliziertere mathematische Aufgaben in Anwendungsfächern und der späteren Berufspraxis erfolgreich bearbeiten zu können, müssen natürlich die hinter konkreten "Rechentechniken" stehenden Konzepte auch verstanden werden.

Wie unterstützen sie die Studierenden mit Ihrem Mathematik-Statistik-Labor?
In den vergangenen Jahren haben wir als besonderen Schwerpunkt umfangreiche deutsch- und englischsprachige Sammlungen digitaler Trainingsaufgaben zu den unterschiedlichen mathematischen Teildisziplinen aufgebaut. Diese sind als Aufgabensammlungen über spezielle Moodle-Kurse zugänglich, werden aber auch in allen an unserer Hochschule in den ingenieurwissenschaftlichen Fachrichtungen angebotenen grundständigen Mathematik-Modulen als Übungs- und Testaufgaben eingesetzt. Darüber hinaus haben wir auch damit begonnen, mit den Modulinhalten abgestimmte Selbstlern-Materialien wie Lehr- bzw. Lernvideos zusammenzustellen, die unseren Studierenden den Erwerb der mathematischen Kompetenzen während des Studiums erleichtern sollen.
Die zweite, mindestens genauso wichtige Säule ist die wöchentliche Mathematik-Sprechstunde während des Semesters an jedem Mittwochnachmittag in Magdeburg, in der wir die klassischen Tutorien-Angebote aller Mathematik-Module gebündelt haben. Dieses Mathematik-Lernzentrum wird durch Studierende aus höheren Semestern betreut, die häufig auch direkter erklären können, wo man die entsprechende Mathematik später im Studienverlauf noch einmal braucht. Darüber hinaus haben wir auch damit begonnen, Beratungsformate für spätere Studienphasen (insbesondere die Abschlussarbeit) zu entwickelt, was im neuen Projekt "Study & Thrive" im Kontext von Statistik und KI-Methoden noch einmal verstärkt in den Fokus gerückt ist.

Wie können sich künftige Studierende auf Mathematik im Studium vorbereiten? Gibt es etwas Hilfreiches, was Sie raten können?
Grundsätzlich ist es natürlich immer hilfreich, die Mathematik bereits in der Schule ernst zu nehmen. Speziell für den Studieneinstieg bieten wir immer in der zweiten Semesterhälfte im Rahmen der Late Summer School ein zweiwöchiges Mathematik-Training an, bei dem die wesentlichen Themen der Schul-Mathematik noch einmal aufgefrischt und vertieft werden können. Leider erreichen wir als Lehrende viele Studienanfänger:innen erst in unseren ersten Lehrveranstaltungen, wo es dann natürlich für dieses sehr sinnvolle Angebot zu spät ist. Wenn dann schnell erste Probleme sichtbar werden, helfen die Mathematik-Sprechstunde und das Selbststudium mit den von uns vorbereiteten digitalen Materialien. Besonders sinnvoll ist aber, in solchen Fällen Lerngruppen zu bilden. Wenn die eigenen Verständnisprobleme gegenüber Mitstudierenden schon einmal konkret benannt werden können, ist das meistens schon der erste wichtige Schritt zu deren Lösung.
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Fotos: Adobe Stock (Titel und Mitte), Matthias Piekacz (oben), privat (unten) | Veröffentlicht am: 12.03.2026